Am nördlichen Ortseingang von Berg am Starnberger See steht seit Kurzem ein Gebäude, das man auf den ersten Blick nicht für ein Rathaus hält. Drei Flügel, in Y-Form um ein zentrales Foyer gelegt, eine Holzkonstruktion über massivem Sockel und Satteldächer, deren Firste in unterschiedliche Richtungen weisen. Die Brandschutzplanung für das Rathaus Berg haben wir verantwortet.
Ein Haus, das sichtbar bleiben sollte
Der Neubau mit rund 3.780 Quadratmetern Bruttogrundfläche ersetzt das alte Rathaus von 1964, das den räumlichen Anforderungen der Verwaltung längst nicht mehr genügte. Entworfen wurde das Gebäude von Beer Bembé Dellinger unter der Projektleitung von Hannes Pernthaler, Bauherrschaft ist die Gemeinde Berg mit ihren 15 Gemeindeteilen und rund 8.000 Einwohnern.
Über einem massiven Sockel aus Stahlbeton sitzt eine Holzkonstruktion mit auskragenden Satteldächern. An den Traufseiten wird die Struktur nach außen getragen, eine Referenz an traditionelle Bauweisen. Im Zentrum der drei Flügel liegt das Foyer mit einem abgerundeten dreieckigen Oberlicht. Von dort erschließen Aufzug und Treppen die weiteren Ebenen. Der kürzeste, südöstliche Flügel nimmt im Obergeschoss den Sitzungs- und Trausaal auf, der bei entsprechender Bestuhlung bis zu 200 Personen fasst. Im Untergeschoss liegen Tiefgarage, Archiv und Technik. Neben 27 Büros finden sich im Haus zwei familiengerechte Vier-Zimmer-Wohnungen für Mitarbeitende.

Kurz: ein Gebäude, bei dem sehr viel Material, Licht und Raumwirkung sichtbar bleiben sollte.

Warum die Brandschutzplanung Rathaus Berg früh beginnen musste
Genau an dieser Stelle entsteht in vielen Projekten ein Zielkonflikt. Vorbeugender Brandschutz bedeutet zunächst einmal Bauteile, die etwas leisten müssen: Wände, die trennen. Türen, die schließen. Wege, die frei bleiben. In einem Haus, das offen und materialsichtig wirken soll, ist das eine Aufgabe, die man nicht nachträglich löst.
Die Brandschutzplanung Rathaus Berg lief deshalb parallel zum Entwurf und nicht danach. Anforderungen an Rettungswege, Nutzungseinheiten und Bauteile wurden gemeinsam mit dem Architekturbüro entwickelt, das Landratsamt Starnberg war als prüfende Behörde eingebunden.
Das Detail, an dem man es sieht
Für Dr.-Ing. Daniel Herzog, Bereichsleitung Vorbeugender Brandschutz bei BCI, liegt das Ergebnis dieser Arbeitsweise in einem Detail, das den meisten Besucherinnen und Besuchern nie auffallen wird: den feuerhemmenden und rauchdichten Türen der Nutzungseinheiten im Korridor.
Solche Türen sind schwer und technisch, und in vielen Gebäuden sieht man ihnen das an. In Berg verschmelzen sie beinahe mit der Wand. Sie erfüllen ihre Schutzfunktion vollständig, ohne die Raumwirkung zu stören.
„Brandschutz kann auch schön sein", sagt Daniel Herzog dazu. Möglich wird das aber nur, wenn er früh genug Teil des Entwurfs ist.
Was das Projekt über unsere Arbeitsweise sagt
Vorbeugender Brandschutz ist bei BCI kein nachgelagertes Gewerk, sondern einer von mehreren Fachbereichen, die im selben Haus sitzen und miteinander planen. Tragwerksplanung, Architektur, Bauphysik, Energieberatung, Bauwerksdiagnostik und Brandschutz greifen dabei ineinander. Beim Rathaus in Berg hat sich gezeigt, was daraus entstehen kann, wenn auch die Partner auf der anderen Seite des Tisches so arbeiten.

Wir danken der Gemeinde Berg für das Vertrauen, Beer Bembé Dellinger und Hannes Pernthaler für die reibungslose Zusammenarbeit und dem Landratsamt Starnberg als prüfender Behörde.


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